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Familiennaturschutztag zum Thema Biodiversität - Résumé

Gehegewiese mit Blick auf die Lochmühle - Foto: Andreas Püwert
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Gehegewiese mit Blick auf die Lochmühle - Foto: Andreas Püwert

Am 11. Juni 2022 fand der Biodiversitätstag des Naturschutzbundes Freiberg statt. Von 9.00 bis 23.30 erforschten 83 Teilnehmende die Lebensräume rund um die Lochmühle. Unter der Obhut von 14 Artspezialisten erfassten 9 Familien mit 15 Kindern und 13 Studenten aus Freiberg und Dresden die Tiere und Pflanzen.

Obwohl seit jeher Freiberger Forscher Flora und Fauna der näheren Umgebung intensiv untersuchten, war das Gebiet um die Lochmühle Langenau bis in die 2000er Jahre ein „Weißer Fleck“ geblieben. Seit der Besiedelung des Erzgebirges um 1150 bildete die Region am Oberlauf der Großen Striegis eine Grenzregion. Zuerst stießen die Einflussgebiete des Klosters Altzella bei Nossen und dem Kloster Bad Hersfeld in Hessen aneinander. Noch heute begegnen sich hier die Fluren von St. Michaelis, Linda und Langenau. Die Lochmühle, erbaut 1743, verdankt dieser Grenze ihren Namen. Denn „Loch“ oder „Lach“ ist ein alter mittelhochdeutscher Begriff für Grenze. Der ursprüngliche Name Gehegemühle, bezieht sich auf ein Waldstück oberhalb der Mühle. Hier hegte der Rittergutsbesitzer von Niederlangenau mit Erlaubnis des Kurfürsten Rehe und Wildschweine. Das Gehege war ein Teil eines größeren Waldgebietes, der Struth, welche sich noch heute bis an die Fluren von Kleinhartmannsdorf und Gahlenz zieht. Ursprünglich bildete dieses Waldgebiet ein Konglomerat aus Waldflächen, Feldern und Wiesen. Letztere waren Jahrhunderte sowohl zahlen- als auch flächenmäßig in der Überzahl. Nur drei dieser Wiesen haben bis heute überlebt. Zwei davon, die Gehegewiese und die Frauenwiese befinden sich an der Lochmühle Langenau. Ihr Überleben ist in gewisser Weise ihrer Lage in dieser Grenzregion zu verdanken. Weit entfernt von allen Ortschaften wurden sie nur extensiv genutzt. So ist es nicht verwunderlich, dass politische Grenzen auch zugleich ökologische Grenzen bilden. Und an solchen, heute als Ökotone bezeichnet, finden sich in der Regel eine wesentlich höhere Zahl an Lebensräumen, Tieren, Pflanzen und Pilzen, als im Umland.

Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling - Foto: Andreas Püwert
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Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling - Foto: Andreas Püwert

Der NABU Freiberg erfasst, schützt und pflegt gemeinsam mit dem Naturschutzinstitut Freiberg und den Besitzern der Lochmühle, der Familie Püwert, seit 2010 diesen Hotspot unserer Heimat. Seitdem wurden jedes Jahr neue Arten registriert. Neben vielen Allerweltsarten auch solche, die sich in Mittelsachsen und darüber hinaus, nur noch selten finden lassen. So der Dunkle und Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Diese in einer Symbiose mit dem Großen Wiesenknopf und speziellen Wirtsameisen lebenden Tagfalter sind in Sachsen äußerst selten und akut vom Aussterben bedroht. Auch unser größter heimischer Schwanzlurch, der Feuersalamander, hat an der Lochmühle mit etwa 400 Alttieren in einer kleinen Population überlebt. Diese Tierarten zu erhalten, ist dem NABU Freiberg von höchstem Interesse.

Gemeine Keiljungfer - Foto: Thurit Tschöpe
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Gemeine Keiljungfer - Foto: Thurit Tschöpe

Die Experten und die Teilnehmenden wurden in vier Gruppen aufgeteilt und untersuchten jeweils einen eigenen Abschnitt. Trotzdem konnten an diesem Tag nicht alle Bereiche abgedeckt werden. Neben der bereits in den vergangenen Jahren mehrfach beobachteten Zweigestreiften Quelljungfer und der Blauflügelprachtlibelle, wurde erstmals auch die Grüne Keiljungfer nachgewiesen. Diese Arten sind auf intakte Fließgewässer angewiesen. Dadurch wird die hohe Bedeutung dieses Lebensraumes an der Striegis und dem Frauenbach unterstrichen, insbesondere die Verbindung mit den Ufersäumen, Wiesen und Waldrändern. Die seit Mai eingewanderte, Wärme liebende Feldgrille wurde gleichzeitig mit den an ein kühles Waldklima angepassten Heuschrecken, Nadelholzsäbelschrecke und Punktierte Zartschrecke beobachtet. Durch die Nachweise von Kleiner Hufeisennase, Kleinem Abendsegler, Nymphenfledermaus und Rauhhautfledermaus wurden nun alle Fledermausarten an der Lochmühle festgestellt.

Erfassung und Dokumentation von Pflanzen- und Insektenarten - Foto: Thurit Tschöpe
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Erfassung und Dokumentation von Pflanzen- und Insektenarten - Foto: Thurit Tschöpe

Der Artenreichtum an Tieren ist an eine hohe Diversität der Flora gebunden. Am 11. Juni wurden allein auf der Frauenwiese 187 Pflanzenarten registriert. Auf beide Wiesen kommen über 200 Pflanzenarten vor. Viele davon sind in weitem Umfeld verschwunden und haben an der Lochmühle ihre letzten Refugien. Die Wiesenorchideen Grünliche Waldhyazinte und Fuchsknabenkraut stand in dutzenden Exemplaren auf der Frauenwiese und der Gehegewiese. Neben Käfern, Mollusken und Ameisen wurden erstmals auch die Gruppen der Wanzen und Zikaden untersucht. 

Eine genaue Auswertung aller Daten des Biodiversitätstages inklusive der Erfassungen vergangener Jahre erfolgt später und wird publiziert. Den Organisatoren, Unterstützern und Teilnehmern der Veranstaltung sei an dieser Stelle recht herzlich gedankt.



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