FreibergProjekteBFD-Journal Mette Siemer

Mein Jahr beim NABU Freiberg

Die ersten vier Monate

Mette Siemer - Foto: Mette Siemer
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Mette Siemer - Foto: Mette Siemer

Editorial    

Hallo zusammen, ich bin Mette und mache jetzt für ein Jahr einen BFD beim NABU Freiberg. Ich freue mich euch an diesem Teil haben zu lassen, in dem ich euch hier wöchentlich von meinen Aktivitäten, Erlebnissen und Erfahrungen erzähle. Mein BFD hat zwar erst im September angefangen, aber trotzdem ist schon so einiges passiert.

Woche 1

Angefangen hat das Jahr mit einer Jugendleitergrundschulung auf der Naturschutzstation Dachsenberg in der Dresdner Heide. Dort habe ich viel über Pädagogik, Recht und dessen Verbindung zum Naturschutz gelernt. Ich habe bemerkt, dass ein Jugendleiter viel mehr Aufgaben hat und Sachen beachten muss, als mir vorher in den Kopf gekommen sind. Zwischen den Theorieeinheiten, die wir uns in einem Vorlesungsraum auf der Naturschutzstation anhörten, haben wir Pausen und Auflockerungen mit Spielen genutzt. Diese waren wirklich gute Beispiele für Kinder- und Jugendfreizeiten. Da wir die Spiele selbst gespielt haben, war es möglich, sich in die Situation von Kindern und Jugendlichen hineinzuversetzen und zu entscheiden welche Spiele in welchem Moment geeignet wären.

Abends genossen wir immer die Zeit am Lagerfeuer, wo wir uns als Gruppe immer besser kennenlernten.

Woche 2

Sobald das Jugendleitercamp auch schon rum war, bin ich am nächsten Tag schon wieder in den Zug gesprungen und weiter in die Uckermark gefahren. Dort fand mein erstes BFD- Seminar statt. In diesen fünf Tagen waren wir viel unterwegs. Wir haben uns die Naturschutzstation „Blumberger Mühle“ im Biosphärenreservat  Schorfheide-Chorin angeschaut, die mir wirklich die wunderschöne Natur der Uckermark gezeigt hat. Ebenso waren wir auf Spurensuche. Zusammen mit einem Experten hat unsere Gruppe versucht Fährten in der Nähe zu lesen. Wenn man erstmal dabei ist, bekommt man ein echtes Auge für die kleinsten Spuren, wie zum Beispiel Fressspuren von kleinen Käfern in einer Baumrinde oder Laufspuren von Paarhufern, wie Reh und Damwild. Ein echtes Highlight war auch die Straußenfarm. Das sind echt verrückte Tiere. Wusstet ihr, dass die bis zu 70 km/h schnell werden können?

Alles in allem waren diese 10 Tage super schön. Ich habe viele neue coole Leute kennengelernt, mit denen das Programm viel Spaß gemacht hat und die Zeit viel zu schnell verging.

Woche 3

Schon wieder zuhause, hat meine erste „wirkliche“ Arbeitswoche in Freiberg angefangen. Aktuell müssen die Schmetterlingswiesen gemäht und u.v.a. beräumt werden. Deswegen war ich die letzte Woche mit dem Wiesenmäher beschäftigt. Gemäht wurde in Freiberg, Mittelsaida und an der Lochmühle, wo wir herzlichst empfangen wurden. Überraschenderweise hat das Wiesenmähen echt Spaß gemacht, da war die große Fläche an der Lochmühle schnell gemäht. Dennoch musste ich beachten, dass ich ein Drittel der Fläche stehen lasse, sodass ein Teil der Wiese für Insekten als Lebensraum erhalten bleibt.

Damit ist die Arbeit aber noch nicht vorbei. Die Mahd musste noch zu Haufen zusammengeharkt werden. Dafür kamen später noch weitere NABU-Aktive zur Hilfe, was die lange Zusammenarbeit noch schöner machte und mir half ein paar Kolleg*innen kennenzulernen. Besonders gut gefällt mir, dass das Mahdgut wo möglich weiter als Futtermittel für Tiere verwendet wird. Damit diese Aktion näher an jüngere Generationen vermittelt wird, haben wir einen Nachmittag mit der NAJU Abschnitte manuell per Sense gehauen und die Mahd zusammen geharkt, was wirklich gut funktionierte.

 Die Schmetterlingswiesen waren auch ein Punkt bei einer wissenschaftlichen Tagung zum Projekt „Puppenstuben gesucht“, auf der der Zustand, die Entwicklung und die Förderung von Schmetterlings-/Blühwiesen in Sachsen Thema waren.

Diese Woche geht es mit der Wiesenpflege weiter, aber das erzähl ich euch das nächste Mal.

 

Bis dahin,

eure Mette :)

Woche 4

In dieser Woche sollte es eigentlich mit der Wiesenpflege weiter gehen, aber da hat das Wetter nicht so ganz mitgespielt. Regen war gemeldet, deswegen mussten wir fix das bereits gemähte Mahdgut zusammenharken und aufladen. Als wir bei der Wiese ankamen, hat es ordentlich angefangen zu schütten, deswegen haben wir es leider nicht geschafft, das ganze Mahdgut vor dem Regen zu retten. Perfektes Timing...

Im anderen Teil der Woche habe ich es mir im Büro gemütlich gemacht und viel recherchiert: Damit wir den Insekten und Vögeln mehr helfen können, ist insektenfreundliches (Balkon-) Gärtnern eine super und simple Initiative. Kräuter, wie Oregano, Thymian und Rosmarin sind bei unseren kleinen Gesellen besonders beliebt und eignen sich außerdem auch perfekt für die eigene Küche.

Donnerstag war ich bei der NAJU Dresden und habe zusammen mit den FÖJlern kleine Drachen aus Plastiktüten mit einer Kindergruppe gebastelt und steigen lassen. Am Abend haben ein paar NAJU Aktive und ich Plakate für die Fridays for Future Demo gestaltet, die am Freitag super in Einsatz kamen. Das war ein sehr lustiger Tag, weil wir mit wenig Material und Arbeit, viel Spaß und Freude gehabt und gegeben haben.

Woche 5

Diese Woche bin ich viel mit dem Zug unterwegs gewesen. Ich war zwei Tage in Dresden im NAJU Büro. Ich saß sehr viel am Computer, um für Projekte zu recherchieren und um mich in neue Programme einzugewöhnen, da war die kleine Aufräumaktion im Büro eine gute Abwechslung. Aber es ist noch mehr passiert:

Auf einem NABU Gelände in Freiberg ließ die Stadt die große Blutbuche fällen. Anwohner zeigten viel Verwunderung und Unverständnis, immerhin war die Blutbuche ein Naturdenkmal! Die Erkrankung/Schädigung der Rotbuche war unübersehbar, das Problem ist, dass im Vorfeld die Ursache der Erkrankung kaum thematisiert wurde, geschweige denn verhindert wurde.

Apropos Pflege von Bäumen. Am Samstag bin ich zur NAJU Ebersbachzu einem Apfelworkshop gefahren. Dort haben wir abgefallene Äpfel einer Streuobstwiese aufgesammelt, geschnitten und zu Apfelsaft gepresst. So viele Äpfel, wie wir gesammelt haben, konnte man von gut Glück sprechen, dass der Großteil zu einer Mosterei ging, sonst hätten wir dort noch die ganze Nacht gestanden :D

Woche 6

Da dachte ich, ich hätte genug Äpfel für ganz Freiberg beim Apfelworkshop gesammelt, da ging es in dieser Woche direkt weiter. NABU Aktive haben einer Frau aus Kleinwaltersdorf bei der Apfelernte auf dem Grundstück ihres Sohnes geholfen. Dort war dieses Jahr eine wirkliche Rekordernte. Gefühlt haben wir von 9 großen Kisten zwei Drittel mit einem Baum gefüllt. Die haben wir dann zur Apfelmosterei in Niederschöna gebracht. Ich hoffe da kann ich mir noch eine Flasche abzapfen.

In dieser Woche haben sich auch ein paar Mitglieder des Freiberger NABU Gemeinschafts- und Integrationsgarten getroffen. Jeder sollte ein Kartoffel- oder Kürbisgericht zubereiten und mitbringen, deswegen habe ich mich an eine Tortilla gewagt. Die eigentlich ganz gut geklappt hat :D

Am Ende war es eine sehr nette, kleine, leckere, gemütliche Runde.

Woche 7

Diese Woche war wunderschön. Ich war auf Seminar in Barth! Ich habe mich so darauf gefreut, weil ich schon lange nicht mehr an der Ostsee war und auch nicht in dieser Ecke :).

Dieses Seminar war bildungs- politisch ausgerichtet, weshalb wir viel über Demokratie, Beteiligung und die Verbindung zum Naturschutz gesprochen haben. Hauptthema war dabei der Kranichschutz. Im Oktober fliegen die Kraniche aus Skandinavien an die deutschen Bodden, um für mehrere Wochen zu rasten, bevor sie weiter gen Süden fliegen. Wir haben zum Beispiel viel über die Zusammenarbeit des Kranichschutzes mit der Landwirtschaft gelernt. Dafür waren wir im Kranorama, eine Aussichtsplattform, von der wir aus die Kraniche auf den Feldern schön beobachten konnten. Dort zum Beispiel streut ein Landwirt Futter für die Kraniche aus, damit diese nicht die frisch gesäten Felder als Futterquelle benutzen.

Mit dem Fahrrad sind wir auch an den Bodden gefahren, um zu sehen, wie die Kraniche zu ihrem Schlafplatz fliegen.

Auch dieses Seminar war super schön und ich konnte die Zeit mit vielen coolen Leuten verbringen. Eine Woche am Meer kann man sich ja nicht entgehen lassen... und das Fischbrötchen darf dabei auch nicht fehlen.  

Woche 8

Man man, im November wird es ganz schön frisch, aber das hat uns nicht aufgehalten diese Woche draußen an der frischen Luft zu arbeiten. Ich war zwei Tage bei Püwerts an der Lochmühle in Langenau am Wiese mähen. Die Wiese musste ein zweites Mal ganz kurz geschnitten werden, deswegen hab ich mit dem Rasenmäher gearbeitet. Da der Boden jedoch ziemlich feucht war und der Rasenmäher keinen Vorderradantrieb hatte, war das gar nicht so einfach. Ich bin öfter mal stecken geblieben und das wurde mit der Zeit echt anstrengend. Während ich versucht habe nicht den Rasenmäher vor Wut zu zerstören, hat Andreas Püwert die bereits gemähte Fläche vertikutiert, was sehr zeitaufwendig war. Zwischendurch haben wir eine Mittagspause eingelegt, in der die Familie Püwert sehr lecker gekocht hat. Ein Dankeschön dafür :). Die zwei Tage haben trotz der minimalen Anstrengung sehr viel Spaß gemacht. Ich bin immer sehr gerne dort, besonders wenn man kleine süße Feuersalamander findet :)

Donnerstag war das komplette Gegenteil. Bürotag. Da war ich dafür zuständig die Telefonliste verpasster Anrufe durchzugehen und ein bisschen zu recherchieren.

Freitag dagegen war ich wieder draußen. Da habe ich zusammen mit einem anderen NABU Mitglied die jungen Birken auf der Schneise abgeschnitten. Die Schneise ist ein Abschnitt im Freiberger Stadtwald, die direkt unter der Stromleitung liegt, weshalb die jungen, schnell wachsenden Birken beseitigt werden müssen und die dort wachsende Heide sich entfalten kann.

Das war wieder mal eine sehr praktische Woche, die in nächster Zeit wahrscheinlich nicht mehr kommen wird. Im Frühling geht es dann damit weiter.


Woche 9

Wechselhafter kann eine Woche gar nicht sein. An einem Tag bin ich draußen am Brombeeren schneiden und am nächsten nehme ich online an einem Seminar teil.

Am Mittwoch bin ich mit Marco vom Naturschutzinstitut zu einer Fläche bei Welzow gefahren. Diese lag mitten im Braunkohleabbaugebiet. Ich hab die Bagger in 1 km Entfernung gesehen und ich muss echt sagen die Bergbaufolgelandschaft ist kein schöner Anblick. Der Kohleabbau zerstört den Boden und die Natur radikal und prägt sie dementsprechend neu. Entweder sieht man weit und breit nichts außer freie, ebene, vegetationsarme Flächen oder großflächig bepflanzte Kiefernwälder, da diese als schnelle Nachpflanzungsmaßnahme angesehen wurden. Also Deutschland sollte schleunigst etwas in ihrer Energieindustrie ändern. Das hätte so einige Vorteile… . Naja, bis 2035 sind es ja nur noch 15 Jahre.

Dennoch, wir haben Pflanzen aus- und umgegraben, um ihre Population zu fördern und haben die angelegte Ausgleichsfläche gepflegt, die dazu dient anderen Vegetationsarten Raum und Wachstumsmöglichkeit zu geben.

Am Tag darauf war das eigentlich in Leipzig geplante Einführungsseminar. Also hab ich es mir gemütlich gemacht und einen echt netten Tag gehabt. Online hat das Seminar überraschenderweise echt gut geklappt, aber natürlich wäre es schöner gewesen alle persönlich zu sehen. Zwar bin ich schon 2 Monate in meinem BFD dabei, doch das Einführungsseminar hat dann trotzdem noch ein paar offene Fragen geklärt.  

Woche 10

Die letzten Wochen waren sehr abwechslungsreich. Das kann man von dieser Woche nicht behaupten. Ich habe mich mit Texten beschäftigt sowohl welche geschrieben, als auch gelesen.

In letzter Zeit arbeite ich eher von zuhause aus, da Corona nicht viel mehr zulässt. Tagein, tagaus derselbe Rhythmus. Da muss man sich was einfallen lassen, bevor einem die Decke auf den Kopf fällt. Also habe ich versucht, mir die Arbeit zu erleichtern. Wie? Auf Spotify gibt es sehr entspannende Playlists, die mir ganz gut beim Schreiben helfen (wie jetzt zum Beispiel). Da die Vorweihnachtszeit gefühlt bei allen schon einen Monat eher angefangen hat, bin auch ich schon eifrig am Kekse naschen. Man muss sich den Alltag nun mal versüßen. Besonders hilfreich ist es auch eine Runde um den Pudding zu laufen, um frische Luft zu schnappen, aber ich glaube, das müssten wir alle in den letzten Monaten schon herausgefunden haben. Deswegen probiere ich immer neue Dinge aus, die mir spontan in den Sinn kommen.  



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