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Botanische Exkursion am Kunnersteig

Mit der Hilfe eines Fernglases können auch unzugängliche Stellen an den Felswänden untersucht werden. - Foto: Andreas Püwert
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Mit der Hilfe eines Fernglases können auch unzugängliche Stellen an den Felswänden untersucht werden. - Foto: Andreas Püwert

Am Samstag den 23. April 2022 fand die erste Exkursion des Jahres der Fachgruppe Botanik des NABU Freiberg statt. Von 9.30 bis 13.00 Uhr führten Andreas und Claus Püwert weitere 7 Teilnehmer durch die Waldungen an der Zschopau bei Augustusburg. Hauptziel war dabei der Kunnerstein, einer Felsformation am Südhang des Schellenberges. Dieser ermöglicht einen atemberaubenden Blick über das Tal der Zschopau und ist seit jeher ein beliebter Ausflugsort. Bis 1972 stand dort ein Ausflugslokal. Heute findet sich an gleicher Stelle eine Schutzhütte, welche Wanderer zur Rast einlädt.

Der Tüpfelfarn (Polypodium vulgare) ist die seltenste Farnart im Gebiet vom Kunnerstein. - Foto: Andreas Püwert
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Der Tüpfelfarn (Polypodium vulgare) ist die seltenste Farnart im Gebiet vom Kunnerstein. - Foto: Andreas Püwert

Durch die außergewöhnliche Lage des Felsens hoch über dem Fluss, bietet dieser Extremstandort besonderen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum welcher in der heutigen Kulturlandschaft fast verschwunden sind. Die wohl größte Population vom Nordischen Streifenfarn (Asplenium septentrionale) in Mittelsachsen mit mehreren hundert Exemplaren begeisterte die Teilnehmer. Diese auf sonnige Silikatfelsen spezialisierte Art findet sich hier neben Braunstieligen Streifenfarn (Asplenium trichomanes), Tüpfelfarn (Polypodium vulgare) als typische Felsbesiedler ebenso wie die Mauerraute (Asplenium ruta-muraria). Jene kommt vorwiegend an den Mauerresten der ehemaligen Gaststätte vor, da sie als kalkliebende Art den alten Mörtel benötigt. Sehr selten besiedelt sie auch die unverfugten Trockenmauern. Die Besonderheit dieses Standortes macht jedoch die Kombination von natürlichem Fels, zahllosen Trockenmauern aus dem selben Gestein und starker Sonneneinstrahlung aus.

Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) gehört zu den anmutigsten und schönsten Amphibien unserer Heimat. - Foto: Andreas Püwert
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Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) gehört zu den anmutigsten und schönsten Amphibien unserer Heimat. - Foto: Andreas Püwert

Hier befindet sich auch eine der größten Feuersalamanderpopulationen (Salamandra salamandra) von ganz Sachsen. Bis 5000 Tiere haben ihr Laichgewässer im angrenzenden Tiefen Graben, einem typischen, kühlen Gebirgsbach. Am Kunnerstein suchen die attraktiven Lurche die Trockenmauern und Felsen als Sommer- und Winterquartier auf. Alttiere und frisch abgesetzte Larven wurden von den Exkursionsteilnehmern beobachtet. Eine weitere Tiergruppe, welche im Gebiet in mehreren Arten vorkommt, sind die Fledermäuse. Hier konnten Bartfledermaus (Myotis spec.) und Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) in ihrem Tagesversteck entdeckt werden.

Die natürlichen Blockhalden an der Zschopau beherbergen mehrere Tausend Feuersalamander. - Foto: Andreas Püwert
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Die natürlichen Blockhalden an der Zschopau beherbergen mehrere Tausend Feuersalamander. - Foto: Andreas Püwert

Die Trockenheit der letzten Jahre machte auch vor diesem Schutzgebiet keinen Halt. Die alten Rotbuchen (Fagus sylvatica) starben fast alle ab. Der Buchdrucker (Ips typographus) tötete die Fichten (Picea abies) in weiten Umfeld. Durch das Schieben der Forstwege, welche aufgrund des Einsatzes schwerer Holzerntemaschinen nötig geworden war, ist auch dieses bisher nur durch Fußpfade erschlossene Gebiet, der modernen Zivilisation mit ihren mannigfaltigen Freizeitinteressen ein Stück näher gerückt. Die dadurch entstanden offenen Flächen, Bodenanrisse und Erdhaufen kommen zwar dem Feuersalamander in seinem Ansprüchen entgegen. Auch besteht für seltene Pflanzenarten, welche auf Rohböden zur Entwicklung angewiesen sind, nun eine Möglichkeit der Ansiedelung. Der negative Aspekt besteht jedoch durch die weitere Nutzung der Wege mit Mountainbike, Motorrädern und Kraftfahrzeugen. Eine hohe Zahl an Verkehrsopfern ist in den nächsten Jahren zu erwarten. Eine Aufklärung der Bevölkerung sowie eine intensive Zusammenarbeit zwischen Eigentümern, Forstwirtschaft und Naturschutz wird nötig sein, um diese letzten naturnahen Lebensräume unserer Kulturlandschaft auch weiterhin zu bewahren. Da der NABU Freiberg mit den Forstwirtschaftsbetrieben im engen Austausch besteht, sehen wir dem jedoch positiv entgegen.

Die Wanderung entlang der warmen Hänge, im Wechsel mit dem kühlen Bach im Nesselgrund brauchte den Botanikern auch Abwechselung im Temperaturgefüge. Die Vegetation in den Laubwäldern der Umgebung zeigte sich aufgrund der kühlen Witterung im April noch recht verhalten. Entlang der Bahnlinie erfreuten noch mehrere Tagfalterarten das Auge der Teilnehmer. Mit einem deftigen Mittagessen in Augustusburg wurde die Wanderung abgeschlossen. Weitere intensivere Untersuchungen für die Zukunft wurden verabredet. So bleibt dieser Frühlingstag allen Beteiligten in freudiger Erinnerung.



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